Vermehrung

Stecklingsvermehrung

In den Fachbüchern verschiedener Autoren wird eine Stecklingsvermehrung in Substrat, das z.B. aus einer 2:1 Mischung Weißtorf-Sand besteht, beschrieben. Mein Problem begann schon damit, dass Weißtorf kaum zu bekommen ist und und endete damit, dass die Stecklinge in meinem Substrat aus Rhodoerde und Sand trotz gutem Zureden nicht dazu zu bewegen waren, auch nur den Hauch einer Wurzel zu zeigen; sie verfaulten schlichtweg. Sie waren wohl zu vernässt und/oder die Erde war gedüngt.

Einen mehr als 70%-igen Vermehrungserfolg habe ich erst, seitdem ich Seramis-Tongranulat verwende. Dazu ermuntert wurde ich durch den Beitrag von Herrn Klaus Peper

Dabei ist es unerheblich, ob ich im August (wie von den Autoren empfohlen) oder im Nov./Dez. Kopfstecklinge schneide. Ich habe auch mehrfach im März verholzte Stecklinge gesetzt, die problemlos gewurzelt haben. Allerdings habe ich noch keine Wildsorten vermehrt.

Mit einer normalen, aber scharfen Rosenschere schneide ich waagerecht einen Kopfsteckling ohne Blütenknospen zwischen dem 4. und 5. Blatt. Dann mache ich am 4. Blatt gegenüber einer Blattachselknospe zwecks großer Fläche einen ca. 2 cm langen schrägen Schnitt, entferne das Blatt, benetze die Schnittfläche dünn mit Rhizopon AA und setze den Steckling in einen mit feuchtem Seramis gefüllten 5×5 cm Torftopf. Der Torftopf steht dann zusammen mit 14 weiteren in Kunststoffschalen in einem Kleingewächshaus auf einer 10 W-Heizplatte am Nordfenster ohne jede Zusatzbeleuchtung! Das heißt, dass die Stecklinge in den Wintermonaten mit dem normalen Tageslicht auskommen müssen. Wichtiger ist wohl eine gespannte Atmosphäre bei max. 25°C im Kleingewächshaus, auf dessen Boden ein Wassersumpf von 1 – 2 mm steht. Seramis nimmt die Feuchtigkeit auf, die die Pflanze benötigt; daher erübrigt sich weiteres Gießen von oben.
Mit dieser Methode habe ich nach 2 – 3 Monaten bewurzelte Stecklinge.
Der Steckling wird dann komplett mit Torftopf und Seramis in einen 8 cm Rundtopf aus Ton oder Kunststoff gesetzt; die Zwischenräume werden mit käuflicher ungedüngter Kamelienerde aufgefüllt.

Die Torftöpfe verwende ich, um beim Topfen keine Wurzeln zu beschädigen. Außerdem kann leichter beobachtet werden, ob sich schon Wurzeln gebildet haben. Zuerst hatte ich die Stecklinge direkt in den Kunststoffschalen; beim Topfen ist dann das Seramis abgefallen und die empfindlichen Wurzeln waren „nackt“. Logischerweise war der Erfolg des Anwachsens nicht so toll!

Sämlingsvermehrung

Obwohl die Vermehrung durch Sämlinge nichts für eilige Zeitgenossen ist – die Pflanzen blühen meist erst nach ca. 7 Jahren – ist diese Art der generativen Vermehrung sehr spannend, weil das „Ergebnis“ sehr überraschend ausfallend kann. Vermehrung durch Stecklinge hingegen ist vegetativ. Die Tochtergeneration unterscheidet sich in ihrem genetischen Material daher nicht von der Mutter-generation; sie ist ein Klon.

Auch hier verweise ich gern auf die entsprechende Seite von Herrn Klaus Peper

Analog zur Stecklingsvermehrung und Empfehlung von Herrn Peper verwende ich auch bei Samen als Substrat Seramis. Es ist nicht notwendig, den Samen zu versenken; in der Natur liegen die Samenkörner auch auf der Erde. Wichtig ist jedoch, dass das Auge des Samens Kontakt zum Substrat hat.

Eigene Versuche mit einer Kältebehandlung vor dem Samenauslegen haben im Vergleich zum direkten Auslegen nach der „Ernte“ keine Unterschiede bei der Keimfähigkeit bzw. -dauer ergeben.

Im Herbst 2011 habe ich bei und mit Erlaubnis von Peter Fischer Samen von der C. jap. ‘Tama no Ura‘, die sicher schon einige Tage auf dem Boden lagen, aufgelesen. Das Ergebnis war erfreulich; nach gut 8 Tagen begann die Keimung.

Sehr wesentlich für eine gesunde Entwicklung ist die Vermeidung einer Infektion mit Bodenpilzen. Daher befolge ich konsequent die Empfehlung von Herrn Peper und behandele nach dem Kappen der Pfahlwurzel die Schnittstelle mit einem Fungizid, z.B. Previcur N, und stäube sie mit Holzkohlepulver ein.

Nach der Behandlung wird der Sämling in neues steriles Substrat Seramis gesetzt.

Düngung

Mehrere Autoren von Fachbüchern über Kamelien empfehlen eine wöchentliche Düngung (2 °/°° im Gießwasser gelöst) mit einem N-P-K-Dünger im Verhältnis 4:1:2. Die Düngung beginnt mit Triebbeginn und ist spätestens Mitte Juli bzw. mit dem Ende des Längenwachstums einzustellen. Bis Ende Juli erfolgen dann noch 2 bis 3 Abschlussdüngungen mit einem kaliumbetonten Dünger. Dieser verbessert den Knospenansatz, die Triebausreifung und somit die Winterhärte. Und schwach stickstoffbetont, weil mit dem Ende des Längenwachstums langsam die Ruhephase beginnt.

Ich verwende mit gutem Erfolg die Einmaldüngung mit einem gekörnten Dreimonatsdünger für Rhododendren mit halber Dosierung. Düngezeitpunkt ist ca. Mitte April, somit ist die Düngewirkung bis ca. Mitte Juli gegeben.

Die Abschlussdüngung erfolgt als Blattdüngung mit einem Hydrodünger im Mischungsverhältnis 2:1:2, also einem schwach stickstoffbetonten mineralischen Dünger. Der Düngeransatz erfolgt mit ca. 30% der empfohlenen Dosierung. Diese geringe Dosierung deshalb, weil die Blattdüngung viel intensiver wirkt!

Bei meinen bewurzelten Stecklingen wende ich bis zum 1. Umtopfen grundsätzlich die Blattdüngung an. Eine Flüssigdüngung wird in den kleinen Töpfen durch notwendiges Gießen evtl. ausgewaschen bzw. im Verhältnis verändert. Das ist besonders kritisch bei Stickstoff, der das Wachstum fördert. Und bei gekörntem Dünger ist das Dosieren schwierig, da meist als Dosierhinweis g/m² angeführt wird. Alles das wird bei Blattdüngung vermieden.

Im Januar 2014, Fritz-Rainer Böse

Comments are closed.