Urlaubszeit

Sommerzeit – Urlaubszeit – Problemzeit?

Wahrscheinlich hat jeder Kamelienfreund die beste Methode, um seine „Lieblinge“ während dem wohlverdienten Urlaub vor dem Vertrocknen zu schützen. Beliebt sind in dieser Problemzeit die guten Geister in Form des hilfsbereiten Nachbarn, der lieben Schwägerin, der Kinder und weniger beliebt, weil kostenträchtig und trotzdem nicht immer zuverlässig, ein Pflegedienst.

Leider ist die Versorgung nicht nur auf die Kamelien beschränkt; oft kommen noch diverse Pflanzen in den Wohnräumen, in Balkonkästen und und und hinzu. So ist es nicht verwunderlich, dass die guten Geister spätestens im 3. Sommer zufällig genau zur selben Zeit Urlaub machen wollen. Natürlich war die Betreuung überhaupt kein Problem, brauchte fast keine Zeit, wurde natürlich gern getan, aber leider leider …

Zur Entlastung unseres guten Geistes, der Schwägerin, habe ich seit langem ein Urlaubsbewässerungssystem für die Zimmerpflanzen im Einsatz. Somit war sie „nur noch“ mit der Versorgung von ca. 10 lfm. Blumenkästen und einigen Kübelpflanzen belastet. Trotzdem musste sie nahezu täglich erscheinen, auf Trockenheit kontrollieren und evtl. gießen.

Schließlich habe mir ein Tropfrohr aus Kunststoff mit 13 mm Durchmesser (z.B. Gardena), das alle 30 cm einen Auslass hat und ca. 4 l/h Wasser abgibt sowie einen Bewässerungscomputer mit Feuchtefühler besorgt. Die Blumenkästen und – da es das Rohr nur in einer Länge von 50 m gab – eine frisch gepflanzte Hecke wurden nun vollautomatisch und bestens versorgt. Die Schwägerin kam trotzdem und jetzt jeden Tag, aber nicht um zu gießen sondern ganz entspannt, um den blühenden Garten zu genießen!
Die verbliebenen ca. 10 m Tropfrohr wurden gut verwahrt; man konnte ja nicht wissen.

Im Frühjahr 2003 überfiel auch mich der Kamelien-Bazillus. Schon sehr bald war ich stolzer Besitzer von ca. 30 recht großen Kamelien und so versorgte ich die aufgereihten Pflanzen erfolgreich mit dem verbliebenen Tropfrohr. Trotz des sehr heißen Sommers 2003 und einer Abwesenheit von über 3 Wochen kam keine Kamelie zu Schaden; im Gegenteil, die Pflanzen sahen prächtig aus, hatten gut getrieben und reichlich Knospen angesetzt.

Da das Tropfrohr sehr steif ist, feste Kübelabstände und eben die Reihenaufstellung verlangt, suchte ich nach einer flexiblen Lösung und fand 2004 das Micro-Drip-System, das 1. mit dem Tropfrohr kombiniert werden kann und 2. eine lockere Verteilung der Kübel im Garten ermöglicht. Wir mögen es nicht, wenn die Pflanzen wie die Zinnsoldaten aufgereiht sind.

Das Micro-Drip-System hat Kunststoffrohre mit zwei Durchmessern; 13 mm (ziemlich steif) zum unter- oder oberirdischen Verteilen ab Basisgerät (Druckminderer) und 4,6 mm für die Feinversorgung (sehr flexibel). Der Computer sitzt zwischen Wasserhahn und Basisgerät.

Mit diesem System war es somit möglich, unterirdisch zu mehreren Inseln mit Kübeln und auch zu den ausgepflanzten Kamelien zu gelangen. Leider haben wir aber auch im Sommer Tage mit kräftigem Wind, so dass auch schwere Kübel umgeweht wurden. Daher reihe ich während der Urlaubsabwesenheit die Kübel verschiedener Größe in einer Ecke, die sich bei uns aus einer Hauswand und einem Holzzaun ergibt, so auf, dass das Lückenvolumen möglichst klein ist (Sturmschutz).
Unter die kleinen Stecklingstöpfe lege ich KS-Steine 24x12x12 cm, um die Höhenunterschiede zu den größeren Kübeln auszugleichen. Empfehlenswert ist das auch für stark unterschiedlich hohe Kübel. Dieses „Ensemble“ wird dann als Schutz gegen Umkippen durch Sturm mit einem Wall aus geschichteten Steinen, der mindestens Kübelhöhe erreicht, umgeben (Im Beispiel-Bild grau ausgefüllt). Alternativ kann man sicher auch 80 l Blumenerdesäcke davorlegen oder Palisaden in die Erde rammen und mit zwischengespannten Seilen die Kübel festzurren. Im Urlaub ist man ja weg und sieht die Säcke nicht!

Wenn nur eine Wand o.ä. vorhanden ist, zieht man eben den Wall um die aufgereihten Kübel. Wichtig ist auch, z.B. Plastiktöpfe in größeren Übertöpfen oder Kübeln mit Keilen gegen Kippen zu sichern. Bevor der Wall aufgebaut wird, müssen natürlich die nach-folgend beschriebenen Tropfer- und Flächendüsen verlegt und auf Funktion getestet werden.

Die 5 großen Kübel (> 40 cm, keine Kamelien) werden aufgereiht an das Tropfrohr angeschlossen; die Kübel mit Kamelien werden über regulierbare Tropfer (0 – 10 l/h), die in das 4,6 mm-Rohr oberhalb der Kübel am Stammansatz der Pflanze integriert werden, versorgt. Bei größeren Kübeln drehe ich den Tropfer entweder weiter auf oder ich setze pro Kübel mehrere Tropfer. Die ebenfalls erhältlichen Tropfer für 2 oder 4 l/h verwende ich nicht mehr, da sie oft verstopften und nicht zu regeln waren. Die dicht zusammengestellten Stecklinge in 8-er Töpfen übersprühe ich mit einer oder mehreren Kleinflächendüsen) aus diesem System. Die Tropfer verwende ich erst ab 11-er Töpfen.

Ich bewässere von Anfang Mai bis Ende Juli – also parallel zur Düngezeit – morgens um 7:00 und abends um 19:00 Uhr jeweils 15 Minuten; somit bekommt jede Pflanze ca. 300-350 ccm/Tag. Ab Ende Juli bis ca. Ende Oktober reduziere ich auf 1x täglich morgens 15 Minuten; danach gehe ich auf „Handbetrieb“. Diese Einstellung verwende ich bei Töpfen bis 20 cm Durchmesser. Bei größeren Töpfen drehe ich entweder mehr auf oder verwende 2 (Topf-Durchmesser 30 cm) bis 3 (Durchm. 40 cm) Tropfer. Bei guter Drainage der Töpfe – und die ist bei Kamelien zwingend! – schadet ein etwas „Mehr“ sowieso nicht. Wenn es längere Zeit sehr warm ist, kann man ja die Bewässerungszeiten schnell anpassen. Der Feuchtefühler verhindert, dass unnötig gewässert wird.

Das Einstellen der Tropfer ist zwar kein Sekundenjob aber doch recht einfach: Jeden Tropfer so weit öffnen, bis mindestens 1 Tropfen/Sekunde gleichmäßig austritt. Diese Menge entspricht ca. 10 – 12 ccm/ml pro Minute. Zum Kalibrieren der Ausflussmenge eignen sich hervorragend die kleinen Plastikgefäße mit ccm/ml-Einteilung, die oft Mitteln gegen Blattläuse, Mehltau, Rosenrost etc. beiliegen!

Durch das Baukastensystem mit T-Stück, Kreuzstück, Endstück, Winkel etc. für beide Durchmesser kann man alle Probleme leicht lösen. Das System benötigt nur einen Wasseranschluss und einen Bewässerungscomputer (in meinem Fall auch von Gardena) und kostet für ca. 50 Kübelpflanzen incl. Computer und Düsen weniger als 4 vierjährige Kamelien von namhaften Züchtern.
Am besten mal in der Gardena-Homepage blättern!! Ich will hier keine Schleichwerbung machen, aber ein besseres Baukastensystem habe ich bisher nicht gefunden.

Die 40 m Tropfrohr (10 m werden weiterhin für die Blumenkästen benötigt) verwende ich mittlerweile mit einem 2. Computer für die Versorgung der ausgepflanzten Kamelien (1/2 bis 1 h/Woche) einschließlich Zwischenpflanzung und anderer Stauden.

Momentan haben wir – außer 43 ausgepflanzten Kamelien – noch 60 in kleinen Töpfen und Kübeln verschiedener Durchmesser, ca. 50 1 bis 2-jährige Stecklinge und ca. 20 Sämlinge aus der letzten Saison (Stand Anfang März 2008).

Beispiel für eine Anordnung siehe Sturmschutz
Resümee: Es ist schon mit Arbeit und auch Kosten verbunden, aber was tut man nicht alles für die „Schönen“. Wahrscheinlich ist aber eine beauftragte Gartenpflege noch teurer und bei Sturm selten anwesend!

Natürlich kann man die Sache noch verfeinern und gegen die pralle Mittagssonne ein Sonnensegel über die Pflanzen spannen. Aber das fliegt bei Sturm wohl zuerst weg. Unseren Kamelien ist diese Art der Versorgung – auch ohne Sonnenschutz – in den letzten Jahren ausgesprochen gut bekommen, obwohl unsere Ecke Südost-Richtung und für ca. 4 Stunden Mittagssonne hat.

Fritz-Rainer Böse, März 2008

Nachtrag im Januar 2014:
Mittlerweile versorge ich mit dem vorstehend beschriebenen System ca. 200 Kamelien in Töpfen (vom Steckling/Sämling bis zu ca. 3 m hohen Großpflanzen) sowie 60 Kamelien und 40 Kalmien, die im Garten ausgepflanzt sind.

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